Baukindergeld - staatliche Unterstützung für Familien mit Immobilienwunsch

Baukindergeld - staatliche Unterstützung für Familien mit Immobilienwunsch

In Deutschland gibt es seit mehreren Jahren am Immobilienmarkt zum Teil deutlich steigende Preise zu verzeichnen. Eine Auswirkung dessen ist, dass sich insbesondere jüngere Familien zunehmend kein Eigenheim leisten können. Dies wird auch nicht von den sehr niedrigen Bauzinsen aufgewogen, zumal die Banken mittlerweile strengere Anforderungen an die Eigenkapitalquote haben. Unter anderem aus diesem Grund hat die Bundesregierung vor rund drei Jahren das sogenannte Baukindergeld geschaffen.

Was ist das Baukindergeld?

Baukindergeld - dass es eine staatliche Förderung, die Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind unter weiteren Voraussetzungen erhalten. Der Förderzweck besteht darin, dass die Baukindergeld-Zuschüsse in die Tilgung eines Baukredites fließen können bzw. gegenüber der Bank als zusätzliches Eigenkapital dienen. Da bereits mit Bewilligung des Antrages feststeht, wie lange das Baukindergeld gezahlt wird, kann die Gesamtsumme die Eigenkapitalquote merklich erhöhen. Zu beantragen ist das Baukindergeld über die staatliche KfW-Bank, da es sich um ein spezielles Programm handelt.

Wer erhält das Baukindergeld?

Grundsätzlich können zunächst einmal ausschließlich Familien das Baukindergeld beantragen, bei denen mindestens ein minderjähriges Kind im Haushalt lebt. Darüber hinaus gibt es noch weitere Voraussetzungen, die ebenfalls erfüllt sein müssen. Dazu gehört zum Beispiel, dass - aufgrund des Auslaufens der staatlichen Förderung - spätestens bis zum 31. März 2021 entweder ein Bauantrag vorliegen muss oder ein Kaufvertrag über eine Immobilie existiert.

Einkommensgrenzen müssen eingehalten werden

Das Baukindergeld soll insbesondere Familien mit Kindern unterstützen, die entweder ein geringes oder durchschnittliches Einkommen haben, sodass in vielen Fällen nicht ausreichend Eigenkapital vorhanden ist. Damit dies in der Praxis gewährleistet ist, gibt es beim Baukindergeld Einkommensgrenzen zu beachten. Zunächst darf die Einkommensgrenze maximal 75.000 Euro an zu versteuerndem Einkommen pro Jahr nicht überschreiten, was bereits ein relativ großzügiger Wert ist.

Hinzu kommen jeweils 15.000 Euro weiterer „Freibetrag“, nämlich pro vorhandenem Kind. Falls Sie also beispielsweise eine Familie mit zwei Kindern haben, dann dürfen Sie bis zu 105.000 Euro zu versteuerndes Jahreseinkommen erzielen, um das Baukindergeld noch zu erhalten. Dementsprechend gibt es je nach Anzahl der Kinder die folgenden Höchstgrenzen bezüglich des Einkommens:

  • 1 Kind: 90.000 €
  • 2 Kinder: 105.000 €
  • 3 Kinder: 120.000 €
  • 4 Kinder: 135.000 €

Wie hoch ist die staatliche Förderung?

Eine der wichtigsten Fragen für Familien im Zusammenhang mit dem Baukindergeld ist, wie hoch die staatliche Förderung im Detail ausfällt. Hier gibt es glücklicherweise keinen komplizierten Berechnungen, die zunächst angestellt werden müssten, wie es bei manch anderer Förderung durch den Staat der Fall ist. Stattdessen ist festgelegt, dass Sie pro minderjährigem Kind Baukindergeld in Höhe von 1.200 Euro im Jahr erhalten. Das bedeutet, dass Sie bei drei Kindern jährlich 3.600 Euro an staatlichem Zuschuss vereinnahmen können.

Allerdings wird das Baukindergeld keineswegs zeitlich unbegrenzt gezahlt oder bis jedes Kind mindestens volljährig ist. Stattdessen ist ebenfalls festgelegt, dass die staatliche Förderung für einen fixen Zeitraum von zehn Jahren ausgezahlt wird. Dabei ist lediglich zu beachten, dass die genannten Einkommensgrenzen während der Auszahlungsdauer nicht überschritten werden. Sollte dies der Fall sein, ist es ratsam, dass Sie sich von entsprechender Seite aus zunächst beraten lassen.

Wie kann das Baukindergeld als Eigenkapital dienen?

Wie eingangs erwähnt, ist es die Hauptintention des Baukindergeldes, dass Familien mit Kindern ihre Eigenkapitalquote erhöhen und somit bessere Aussichten auf eine positive Kreditentscheidung seitens der Bank haben. Doch wie funktioniert das im Detail? Im Grunde ist ganz einfach: Im Zuge des Kreditgesprächs wird der Bankberater Sie fragen, viel Eigenkapital Sie in die Immobilienfinanzierung einbinden können. Vielleicht haben Sie selbst bereits Eigenmittel, beispielsweise in Form von Bankguthaben oder aus einer Kapitallebensversicherung.

Zusätzlich können Sie nun angeben, dass die einen Antrag auf Baukindergeld gestellt haben und voraussichtlich innerhalb der nächsten zehn Jahre beispielsweise insgesamt (bei zwei Kindern) 24.000 Euro erhalten werden. Spätestens nach dem Vorlegen des genehmigten Antrages auf Baukindergeld wird die Bank dazu bereit sein, den gesamten Betrag als Eigenkapital anzurechnen. Auf diese Weise können Sie Ihre Eigenkapitalquote zum Teil deutlich erhöhen, wie das folgende Beispiel zeigt:

  • Immobilienfinanzierung ohne Baukindergeld
  • Kaufpreis Immobilie plus Kaufnebenkosten: 280.000 €
  • Eigenkapital: 30.000 €
  • Immobilienkredit: 250.000 €
  • Eigenkapitalquote: 10,7 %
  • Baufinanzierung mit Baukindergeld
  • Kaufpreis Immobilie plus Kaufnebenkosten: 280.000 €
  • Eigenkapital: 30.000 €
  • Baukindergeld (bei zwei Kindern in zehn Jahren): 24.000 €
  • Bankkredit: 250.000 €
  • Eigenkapitalquote: 19,3 %

Wie Sie an dieser Rechnung bzw. der Gegenüberstellung einer Immobilienfinanzierung mit und ohne Baukindergeld sehen, müssen Sie zwar in beiden Fällen einen Immobilienkredit in Höhe von 250.000 Euro aufnehmen. Grund ist schlichtweg der, dass Sie zwar mit dem Baukindergeld zusätzliches Eigenkapital anrechnen lassen können, der Betrag allerdings lediglich jährlich ausgezahlt wird und Sie natürlich trotzdem sofort den Kaufpreis für die Immobilie zahlen müssen.

Dennoch zeigt die Berechnung auch, dass Sie durch das Baukindergeld Ihre Eigenkapitalquote in dem Fall fast verdoppeln können. Das wiederum kann durchaus den Ausschlag geben, dass die Bank Ihren Kreditantrag annimmt und nicht abgelehnt, wie es bei einer Eigenkapitalquote von knapp über 10 Prozent im ersten Beispiel vielleicht der Fall wäre, wenn Sie nicht über zusätzliches Baukindergeld verfügen können. Somit kann die staatliche Förderung tatsächlich dazu beitragen, dass Sie sich Ihren Wunsch nach den eigenen vier Wände erfüllen können.

Muss das Baukindergeld zurückgezahlt werden?

Klare Antwort: Nein! Wenn Sie so wollen, dann handelt es sich beim Baukindergeld um ein staatliches Geschenk. Sie müssen Förderung also nicht zurückzahlen, wie es bei manch anderen Förderungen seitens des Staates der Fall ist, beispielsweise in Form eines zinsgünstigen KfW-Darlehens oder eines Studienkredites. Aus dem Grund ist es dringend anzuraten, dass Sie - beim Einhalten der Einkommensgrenzen - als Familie mit einem Kind und Immobilienwunsch unbedingt an das Baukindergeld denken.

Wo beantrage ich die staatliche Förderung?

Wie eingangs bereits erwähnt, haben Sie die Möglichkeit, das Baukindergeld über die KfW-Bank zu beantragen. Die staatliche Förderung finden Sie dort unter dem KfW-Förderprogramme 424. Dies wiederum können Sie aufrufen, indem Sie auf der Webseite der KfW zunächst im Hauptmenü den Unterpunkt „Privatpersonen“, dann „Neubau“ und dann „Förderprodukte“ auswählen. In der dortigen Übersicht klicken Sie dann einfach auf das Baukindergeld-Förderprogramm 424.

Im Zuge des Antrages müssen Sie einige Unterlagen einreichen, insbesondere eine Baugenehmigung bzw. den Kaufvertrag über die Immobilie sowie Nachweise zu Ihrem Einkommen. Dabei ist in der Regel eine Gehaltsabrechnung für die vorletzten zwei Jahre vor Ihrer Antragstellung ausreichend. Sollte dies nicht der Fall sein, fordert die KfW-Bank gegebenenfalls weitere Nachweise an.