Einlagensicherung Risiko & alternative Anlageformen 2022

Einlagensicherung - wirklich so sicher wie gedacht?

Trotz niedriger Zinsen haben die Bundesbürger nach wie vor über eine Billionen Euro auf Spar-, Tages- und Festgeldkonten gelagert. Nach dem Grund gefragt, antworten die meisten Anleger, dass es keine anderen Bankprodukte gibt, die so sicher wären. Tatsächlich fallen ausschließlich die drei genannten Anlageformen sowie zum Teil Sparbriefe in den Bereich der gesetzlichen Einlagensicherung. Doch ist dieser Sicherungsmechanismus tatsächlich so gut, wie allgemein behauptet wird?

Was beinhaltet die Einlagensicherung?

Wenn von der Einlagensicherung gesprochen wird, dann ist damit in der Regel die innerhalb der Europäischen Union vorgeschriebene gesetzliche Einlagensicherung gemeint. Diese beläuft sich aktuell auf 100.000 Euro pro Kunde. Das bedeutet, dass Anleger bei jeder in der EU ansässigen Bank Guthaben von bis zu 100.000 Euro zurückerhalten, falls das entsprechende Institut insolvent werden sollte. Dahinter stehen zum einen Bankenverbände und Sicherungsfonds, zum anderen in letzter Instanz auch der Staat.

Die gesetzliche Einlagensicherung beinhaltet ferner, dass Anleger den Anspruch haben, bei einer Insolvenz der Bank spätestens nach 20 Tagen ihr Kapital zurück zu erhalten. Darüber hinaus ist es vor allem in Deutschland so, dass neben der gesetzlichen Einlagensicherung noch diverse private Sicherungspools existieren. So gibt es zum Beispiel bei den Sparkassen sowie bei den Volks- und Raiffeisenbanken durch interne Einlagensicherungsfonds kein betragsmäßiges Limit bei der Erstattung von Einlagen. In der Theorie klingt die Einlagensicherung also sehr gut, doch wie könnte es in der Praxis aussehen?

Achtung bei Angeboten ausländischer Banken

Zunächst ist wichtig zu wissen, dass die zuvor angesprochene gesetzliche Einlagensicherung nur für solche Kreditinstitute gilt, die ihren Hauptsitz in einem EU-Mitgliedsland haben. Zwar gibt es auch außerhalb von Europa einige Länder, in denen ein solches Sicherungssystem existiert. Die Absicherungssummen können dann allerdings deutlich geringer sein. Zudem existieren zahlreiche Staaten, in denen es überhaupt keine Einlagensicherung gibt. Sie sollten also bei der Wahl ausländischer Tages- und Festgeldangebote darauf achten, dass die Bank zumindest in einem EU-Staat ansässig ist, denn nur dann greift die gesetzliche Einlagensicherung.

Wer steht hinter der Einlagensicherung?

Um die Frage beantworten zu können, ob die Einlagensicherung in der Praxis tatsächlich so sicher sein kann, wie es in der Theorie klingt, muss man näher darauf eingehen, wer eigentlich hinter der Sicherung steht. Im Grunde handelt es sich dabei um die folgenden Institutionen:

  • Einlagensicherungsfonds
  • Bundesverband deutscher Banken (in Deutschland)
  • Staaten

Im Grunde ist es also eine Mischung aus mehreren Institutionen, die zu verschiedenen Teilen hinter der Einlagensicherung stehen. Einen großen Anteil haben die entsprechenden Bankenverbände, zumal die Mitgliedsbanken auf Grundlage ihres Eigenkapitals regelmäßig eine bestimmte Summe in die Sicherungspools einzahlen. In letzter Instanz muss bei einer Insolvenz eines Kreditinstitutes auch der Staat für die Einlagen haften, sollten die existierenden Sicherungsfonds der Banken nicht ausreichen. Exakt hier kann allerdings ein Knackpunkt sein, denn auch innerhalb Europas ist keineswegs jeder Staat so solvent wie Deutschland.

Worin besteht das Risiko bei der Einlagensicherung?

Zwar wird im Zusammenhang mit der Einlagensicherung stets proklamiert, dass der Staat dahinter steht und die Kundengelder daher mindestens bis zu 100.000 Euro je Anleger auf jeden Fall geschützt sind. Dabei wird allerdings in der Theorie nur davon ausgegangen, dass eine eher kleinere oder maximal mittelgroße Bank insolvent werden könnte. Was aber passiert, wenn nicht nur ein kleines Kreditinstitut zahlungsunfähig wird, sondern gleich mehrere Banken oder ein sehr großes Institut, wie zum Beispiel hierzulande die Deutsche Bank?

In dem Fall sind sich die meisten Experten einig, dass eine so entstehende, enorm hohe Ausfallsumme voraussichtlich nicht einmal vom Staat abgedeckt werden könnte. Auf den ersten Blick mag es zwar rein theoretisch klingen, dass zum Beispiel in Deutschland mehrere Banken zur gleichen Zeit insolvent werden und sich darunter auch ein größeres Kreditinstitut befindet. So abwegig ist der Gedanke allerdings nicht, denn die Insolvenz einer Bank könnte in der Praxis durchaus eine Kettenreaktion auslösen.

Bestes Beispiel ist sicherlich die Zahlungsunfähigkeit der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers, die bekanntlich mit der Auslöser für die globale Finanzkrise im Jahre 2008 / 2009 gewesen ist. Sollte dies passieren, dürfte voraussichtlich kein Staat der Welt genügend finanzielle Mittel haben, allen Anlegern ihre Gelder zu 100 Prozent, also in vollem Umfang, zurückzuzahlen. Umso weniger solvent ein Staat ist, beispielsweise aufgrund hoher Überschuldung, desto größer ist das Risiko, dass die Einlagensicherung im entsprechenden Land nicht ausreichen wird.

Dann könnte es passieren, dass - ähnlich wie bei der regulären Insolvenz eines Unternehmens - eine Art Quotierung vorgenommen wird. Das bedeutet, dass nicht alle Anleger 100 Prozent ihres Kapitals zurückerhalten, sondern beispielsweise lediglich 70 Prozent. Problematisch in solch einer Situation ist, dass Anleger im Prinzip keine Möglichkeit haben, zu einer höheren Sicherheit beizutragen. Stattdessen bleibt auch dem deutschen Sparer nur übrig, daran zu glauben, dass die gesetzliche Einlagensicherung in der Praxis greifen wird und man sein Geld vollständig zurück erhält.

Alternativen: Anlageformen ohne Emittentenrisiko

Auf den ersten Blick gelten Tagesgeld, Festgeld und Spareinlagen als die sichersten Anlageformen überhaupt, weil eben dahinter die gesetzliche Einlagensicherung steht. Auf den zweiten Blick, insbesondere vor dem Hintergrund einer möglichen Insolvenz mehrerer Banken und der Tatsache, dass die Einlagensicherung dann nicht mehr im Stande sein könnte, sämtliche Gelder abzudecken, bieten sich einige Alternativen zu den genannten Finanzprodukten an. Es existieren nämlich tatsächlich einige Anlageformen, bei denen kein sogenanntes Emittentenrisiko existiert.

Eines dieser Anlageprodukte sind zum Beispiel die meisten Investmentfonds, zumindest in Form der Publikumsfonds. Bekanntermaßen werden die entsprechenden Fonds seitens einer Kapitalanlagegesellschaft auferlegt und Anleger haben über den Kauf der Fondsanteile die Möglichkeit, von steigenden Fondspreisen zu profitieren. Zwar ist die entsprechende Fondsgesellschaft Emittent des Fonds und somit indirekt auch der Fondsanteile, aber dennoch existiert für den Anleger kein Emittentenrisiko, wie es eben auch beim Tages- oder Festgeld der Fall ist. Warum ist das so?

Die Antwort ist relativ einfach: Sämtliche Fondsanteile, die der Anleger erworben hat, werden als sogenanntes Sondervermögen verwahrt. Das bedeutet, die Bestände der Kunden werden getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft verwahrt. Demzufolge agiert die Investmentgesellschaft im Grunde nur treuhänderisch, indem wie die Bestände der Kunden auf separaten Konten und Depots verwahrt. Die Folge besteht darin, dass dieses Sondervermögen im Fall einer Insolvenz der Fondsgesellschaft nicht angegriffen wird. Stattdessen erhalten die Anleger ihre Fondsanteile bzw. können diese auf gewöhnlichen Weg veräußern.

Von dieser Warte aus betrachtet wären Investmentfonds somit sogar sicherer als Spareinlagen, Tagesgeld oder Festgelder. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Zwar existiert bei aktiv gemanagten Investmentfonds kein Emittentenrisiko, dafür sind die Fonds jedoch mit anderen Risiken ausgestattet, wie zum Beispiel:

  • Kurs- bzw. Preisrisiko
  • Ertragsrisiko
  • Währungsrisiko (falls die Anteile in einer fremden Währung notieren)

Das größte Risiko ist sicherlich das Kursrisiko, insbesondere bei Aktienfonds, Rentenfonds und gemischten Fonds. Aufgrund dieser Risiken können Fonds in der Summe natürlich nicht als sicherer im Vergleich zu Anlageformen bezeichnet werden, die in den Bereich der gesetzlichen Einlagensicherung fallen.

Trotzdem sollten Sie die Einlagensicherung als solche etwas kritischer betrachten und sich nicht zu 100 Prozent darauf verlassen, dass Sie Ihr Vermögen im Fall einer Insolvenz der kontoführenden Bank in vollem Umfang zurückerhalten. Das gilt natürlich insbesondere für Anlagesummen oberhalb von 100.000 Euro, denn diese sind nicht mehr durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt.