Geldanlage-Fehler 2022: Irrtümer, die Sie vermeiden sollten

Anleger machen Fehler bei der Geldanlage - diese Irrtümer sind 2022 häufig

Wenn jeder Anleger keine Fehler bei der Geldanlage machen würde, dann sähen die Gesamterträge in Deutschland um mehrere Milliarden Euro besser aus, als es aktuell der Fall ist. Dabei ist es durchaus manchmal eine Definitionsfrage, was als Fehler anzusehen ist und was eher dem Verhalten bzw. der Einstellung des jeweiligen Anlegers entspricht. Wir möchten im Folgenden einige typische Fehler und Irrtümer bezüglich der Kapitalanlage nennen, damit Sie diese zumindest vermeiden.

Ausschließlich auf hohe Sicherheit und risikolose Investments setzen

Gleich der erste Fehler ist ein solcher, der nicht zwingend objektiv immer ein Fehler sein muss. Dennoch ist es in der absolut überwiegenden Mehrheit aller Fälle so, dass Anleger ihr Kapital nicht ausschließlich so vollkommen risikolos investieren müssten, wie sie es manchmal tun. Klassisches Beispiel: Nach wie vor gibt es Millionen Bundesbürger, die ihr gesamtes Kapital zum Beispiel auf einem der folgenden Konten angelegt haben:

  • Sparkonto
  • Festgeldkonto
  • Tagesgeldkonto

Zweifellos ist es so, dass diese Konten eine hohe Sicherheit aufweisen, insbesondere auf Grundlage der Einlagensicherung. Auf der anderen Seite steht allerdings fest, dass die Renditen bei den zuvor genannten Geldanlagen äußerst niedrig sind und kaum 0,5 Prozent im Jahr überschreiten. Anleger erleiden demnach massive Zinsverluste bzw. reale Kapitalverluste aufgrund der Inflation. Daher muss es insgesamt als Fehler bezeichnet werden, das gesamtes Kapital - ohne Not - ausschließlich mit sehr schlechten Zinsen anzulegen. Deutlich besser wäre es, zumindest einen Teil etwas ertragreicher zu investieren, beispielsweise in Fonds oder Aktien.

Anleger nehmen häufig keine Risikostreuung vor

Die Risikostreuung wird im Fachbereich auch als Diversifikation bezeichnet. Das bedeutet, dass Sie Ihr Kapital auf mehrere, unterschiedliche Anlageformen verteilen. Leider machen allerdings viele Anleger genau den Fehler, nämlich dass sie ihr Geld zum Beispiel nur auf einem Festgeldkonto angelegt haben oder nur in einen Aktientitel investieren. In beiden Fällen fehlt es an einer Diversifikation. Legen Sie Ihr Kapital zu 100 Prozent auf dem Festgeldkonto an, dann entgehen Ihnen deutlich attraktivere Renditen. Entscheiden Sie sich hingegen zwar für einen renditestarken, aber eben nur für einen Aktienwert, gehen Sie damit ein unnötig hohes Risiko ein. Daher ist es immer sinnvoll, dass Sie Ihr Kapital aufteilen. So reduzieren Sie einerseits das Risiko und schaffen zum anderen mehr Platz für eine durchschnittlich bessere Rendite.

Trotz offener Fragen oder Unkenntnis investieren

Ein ebenfalls häufiger Fehler bei der Geldanlage führt regelmäßig zu teilweise hohen Verlusten bei Anlegern. Es geht darum, dass viele Kunden - meistens nach einer Beratung - in Anlageformen investieren, bei denen noch offene Fragen bestehen oder die sie nicht in der Summe verstehen. Zwar sind insbesondere Anlage-, Bank- und Vermögensberater durchaus bemüht, den Kunden das entsprechende Produkt so gut wie möglich zu erklären. Trotzdem gibt es häufiger Missverständnisse, wenn der Anleger zum Beispiel nicht deutlich zum Ausdruck bringt, dass er eine risikoarme Anlage möchte. Schließt er dann zum Beispiel einen Vertrag über eine stille Beteiligung ab, ist das riskant oder er kann im schlimmsten Fall sein gesamtes Kapital verlieren.

Um diesen Fehler zu vermeiden, sollten Sie tatsächlich nur solche Geldanlagen nutzen, die Sie - ohne oder mit Beratung - vollständig verstehen. Dabei sind es insbesondere die folgenden Eigenschaften, die Sie bei der entsprechenden Kapitalanlage kennen sollten:

  • Risiko (Welche Risiken und wie hoch)
  • Rendite (Fester Ertrag oder Gewinnbeteiligung)
  • Kosten
  • Kapitalbindung

Insbesondere die zwei letzten Punkte sind wichtig, nämlich zum einen die Kosten und zum anderen die Kapitalbindung. Kennen Sie die Kosten nicht, kann es sein, dass diese die Gesamtrendite deutlich verringern. Wissen Sie nicht, dass Sie Ihr Kapital womöglich mehrere Jahre binden und möchten in wenigen Monaten verfügen, kann da zu einer bösen Überraschung führen.

Gier nach hohen Gewinnen nimmt oft ein böses Ende

Ein weiterer Fehler bei der Kapitalanlage ist zwar menschlich verständlich, führt allerdings genau deshalb oft zu Mindereinnahmen bzw. höheren Verlusten. Verständlich ist, dass Anleger mit Ihrem Investment natürlich eine möglichst hohe Rendite erzielen möchten. Dennoch sollten die (versprochenen) Erträge jedoch nicht utopisch sein oder aufgrund des Produktes schlichtweg mit den beschriebenen Eigenschaften nicht realisiert werden können. Klassisches Beispiel ist, dass Ihnen zum Beispiel ein Berater einen Fonds empfiehlt, der einerseits mit einer Rendite von jährlich 9 Prozent verbunden ist, auf der anderen Seite aber dennoch vollkommen sicher sein soll.

Solche Anlageprodukte gibt es allerdings schlichtweg nicht, die zum einen eine deutlich überproportional hohe Rendite aufweisen und zum anderen angeblich zu 100 Prozent Sicherheit beinhalten. Sie sollten bei der Wahl der Geldanlage demnach stets im Hinterkopf haben, dass sich Sicherheit und hohe Renditen stets widersprechen. Möchten Sie also beispielsweise eine jährliche Rendite von acht Prozent erzielen, so geht das nicht, ohne ein höheres Risiko von Verlusten einzugehen. Handelt es sich auf der anderen Seite um ein absolut risikofreies Produkt, wäre es utopisch, bei dieser Geldanlage jährliche Renditen von sechs oder mehr Prozent zu erwarten, gerade nicht in der aktuellen Niedrigzinsphase.

Bekannte und Freunde nach Aktientipps fragen

Ein häufiger Fehler, der ebenfalls bei der Kapitalanlage auftritt, ist ebenfalls durchaus menschlich nachvollziehbar. Wer zum Beispiel das erste Mal in Aktien investieren möchte, der hört häufig auf den Rat von Kollegen, Bekannten und Freunden. Meistens kennen sich die Tippgeber allerdings kaum oder gar nicht mehr als der Anleger selbst aus, sondern haben oft nur aus dem Bauch heraus „irgendwelche“ Aktientitel erworben. Wenn Sie diesen Rat befolgen, kann das natürlich zu einem guten Ertrag führen, es kann Sie aber auch viel Geld kosten. Daher sollten Sie nur investieren, wenn Sie sich selbst mit den entsprechenden Wertpapieren beschäftigt haben oder Sie absolut sicher sind, dass sich der entsprechende Tippgeber gut am Markt auskennt.

Absicherungsmöglichkeiten bei der Geldanlage häufig nicht genutzt

Manche Anlageformen beinhalten auf der einen Seite zwar ein gewisses Risiko, wie zum Beispiel Fonds, Aktien oder Edelmetalle. Auf der anderen Seite machen zahlreiche Anleger jedoch den Fehler, am Markt existierende Absicherungsmöglichkeiten nicht zu nutzen. Mit verschiedenen Methoden lässt sich nämlich das Risiko einer Geldanlage oftmals reduzieren oder manchmal sogar minimieren. Dabei kommt es natürlich darauf an, um welche Art Geldanlage es sich handelt. Bei Aktien, Anleihen, Fonds und vielen anderen, handelbaren Gütern, beispielsweise Edelmetallen, kommen insbesondere die folgenden Maßnahmen zur Risikominimierung infrage:

  • Stop-Loss Order erteilen
  • Diversifizieren
  • Stetige Marktbeobachtung

Diese Mechanismen können bereits dazu verhelfen, dass Sie das Risiko von Verlusten deutlich senken. Bei Aktien zum Beispiel ist es sehr einfach, nach dem Kauf eine Stop-Loss Order zu erteilen. Damit verhindern Sie, dass Sie einen hohen Verlust erleiden, weil die Wertpapiere vorzeitig automatisch verkauft werden. Ähnliche Maßnahmen eignet sich bei vielen Finanzprodukten, die handelbar sind, wie zum Beispiel Devisen, Fonds, Anleihen oder auch Edelmetalle.

Eigene Fähigkeiten werden oft überschätzt

Die eigenen Fähigkeiten einzuschätzen ist für viele Menschen im Bereich der Geldanlage sehr schwer. Naturgemäß kommt es daher häufiger vor, dass man die eigenen Kenntnisse und Qualifikationen überschätzt, vielleicht nur, weil man in der Vergangenheit einmal mit einem Aktienwert etwas Glück gehabt hat. Grundsätzlich ist es stets empfehlenswert, dass Sie fachlichen Rat einholen, falls Sie sich bei einer Kapitalanlage nicht wirklich gut auskennen. Achten Sie allerdings darauf, dass der Berater möglichst neutral ist und nicht nur aufgrund von Provisionszahlungen bestimmte Geldanlagen empfiehlt.